15.04. (1078 gefahrene Kilometer)

Heute früh also nochmal Prag:
Das frühe Aufstehen hat geklappt, aber dafür hat die Auswahl der leichten Bekleidung in Kombination mit der Motorradkluft mir doch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Zum Glück hatte ich auch noch neben der Lederlatzhose meine Bikerjeans mitgenommen, zum Leidwesen jedoch des Umfangs meines Gepäcks. Aber dennoch währten die Kopfschmerzen noch weitere 120 Minuten an. Wie verstauen, ich kann nur den Rucksack mitnehmen, vielleicht doch umziehen, mitten in Prag? Dann entschied ich mich für die Bikerjeans plus leichter Oberbekleidung (T-Shirt) was sich zur späteren Stunde dann aber auch nochmal rächen sollte.

Prag:

Wieder meinen Stammparkplatz genutzt, schnell zu Starbucks noch einen Kaffee geschlürft und dann ab ins Getümmel. Auch um inzwischen 10 Uhr ist hier schon der Bär los.

 

Touristischer kann es hier tatsächlich nicht sein. Erstaunlicherweise, ich höre immer gerne auf die Sprachen, die gesprochen werden, und hier sind sehr viele Deutsche, auch scheinbar Junggesellenabschiede, wie man sie kennt, grölend und jauchzend (zumindest aus Hamburg).

lrg_dsc06323

Und dann steht man eine Weile hilflos vor dem Wegweiser und weiß nicht so recht wohin, da passieren die schönsten Kuriositäten direkt neben einem.
Just in diesem Moment fährt eine schöne alte Straßenbahn die Straße lang:
lrg_dsc06325

Und während ich noch der Bahn hinterherschaue und sie hinter dem Torbogen verschwindet fällt mir der junge Mann auf, stilsicher gekleidet und offen für die Außenwelt.

lrg_dsc06327-1

Na entdeckt? Genau, er hat eine alte Filmkamera in der Hand. Sehr guter Zustand. Vielleicht modernste Technik im Vintage Gehäuse, ist ja quasi wieder modern heute 🙂lrg_dsc06326

Irgendwie schön, dass sie die Jugend auch noch für Altes begeistern kann.

Aber… das Laufen schlaucht, die Zeit die rennt und nach einem Blick auf die Uhr werde ich doch sehr unruhig. Es soll heute noch nach Wien gehen und inzwischen ist es 12.30.
Also zurück zum Bike und aufgesessen.

Die zuvor zurechtgelegte GoPro (für Fahraufnahmen) wird wohl leider inaktiv bleiben. Irgendwie habe ich in Hamburg in der Hektik vergessen den Haltekäfig mitzunehmen und somit sind Fahrvideos/-bilder bisher nicht möglich. Obwohl es hätte sich gelohnt, denn… wer noch nicht alles erlebt hat, möge gerne mit dem Motorrad nach Tschechien fahren.

Menschen:
Die Tschechen scheinen ein recht kommunikative Völkchen zu sein. An jeder Ecke wo Zeus und ich auftauchen wird der Daumen gehoben, etwas mit einem breiten Grinsen zu mir auf tschechisch gesagt (ich grinse natürlich weltmännisch zurück und nicke anerkennend) oder gar in ein Gespräch verwickelt, das jedoch recht einseitig verläuft. Das erinnert mich ein bisschen an das Gespräch zwischen Nik und zwei spanischen Motorrad Fahrern auf dem Highway 1, die ihn auf spanisch vermutlich nach dem Weg fragten und er auf English oder Deutsch Auskunft gab, das schien gut zu funktionieren. Bei meinem Tschechen nun verlief es jedoch so, dass er ohne Unterlass mir was erzählte und ich ihn einfach nur spiegelte. Lächelte er, lächelte ich zurück, schien er eine Aussage zu machen, nickte ich wissend. Das ging ungefähr 3 Minuten so, dann hob ich die Hand und streckte sie ihm hin und wir verabschiedeten uns. Also irgendwie hätte ich eigentlich schon gerne gewußt, was er mir da alles erzählt hat. 😀

Straßen:
Verlaufen selten gerade und auch manchmal abrupt nicht mehr horizontal. Klingt zwar ein wenig lustig/komisch ist es aber definitiv nicht. Wenn man auf einer Landstraße, 90 erlaubt, mit ca. 60 in eine Kurve einbiegt, sich gekonnt leicht in die Seitenlage begibt und dann plötzlich fast ohne Vorwarnung aus dem Sattel katapultiert wird, da die Straße nur noch aus Senken und Asphaltpilzen besteht, rutscht einem das Herz ganz ganz tief. Zum Glück hatte ich den Lenker fest im Griff und die Kurve war recht schnell zu Ende, so dass ich da irgendwie glimpflich raus gekommen bin.
Aus Sicherheitsgründen wechselte ich dann aber zügig auf den Highway und genoß die ruhige und sichere Fahrt Richtung Wien.

Grüßen unter Gleichgesinnten:
Liebe Biker in Deutschland jetzt müsst ihr ganz ganz stark sein. In Tschechien grüßen sich quasi fast alle zweirädrigen Zeitgenossen, die motorisiert sind. Selbst die Vespafahrer und sogar ein S-PEdelec hoben den Arm und streckten die Hand zum Gruß. Am Anfang war ich erstaunt und dachte, puh schon wieder auf so ne Mofakrücke reingefallen, aber zum Schluss fand Ichs lustig und schön.

Wetter:
Trotz Sonne war es kühl, trotz Trockenheit war es kurioserweise an manchen Stellen auf der Straße feucht (noch vor dem Abbiegen auf den Highway). Fand ich irritierend. Und außerdem war mein Motorrad seit letzter Nacht mit einem sandähnlichen Überguss versehen. Der musste runter, konnte mich in Wien doch nicht mit einem dreckigen Zeus sehen lassen.
Und als ob die Götter (in diesem Falle wohl Kronos) uns erhört hätten, kam linker Hand ein großer Waschpark. Und das Kuriose, auch hier zahlt man keyless (rechts der kleine gelbe Kasten). Zwar habe ich das nicht kapiert, aber dafür gab es ja dann genügend Tschechen, die wohl meine Hilflosigkeit spürten und bereit waren mir zu helfen. Eine Frau nahm sich meine Karte und zeigte mir wie es geht.
Lieber Dirk, falls du das lesen solltest, das wäre doch eine Idee, oder?!!

 

Schon in Österreich, sah ich mit dem rechten Auge ein Schild „Oldtimer…“ vorbeifliegen. Das löste bei mir den Jägerinstinkt aus. War aber eigentlich gar nicht nötig, da an der nächsten Ampel mich riesige Hinweisschilder drängten abzubiegen. So nutze ich die Gelegenheit meinem Gesäß eine kurze Pause zu gönnen, denn dieses schmerzte nach fast 4 Stunden Fahrt schon reichlich, und freute mich auf einen Museumsbesuch mit auserlesenen Oldtimern. Die kaiserliche motorisierte Kutsche war auch dabei (vergaß vor Staunen jedoch ein Bild zu machen, daher hier ein schöner Ford).   Der Kaiser hatte hinten in seinem Bereich sogar ein Fernbedienung, mit dem er dem Fahrer Anweisungen geben konnte: „Umdrehen“, „rechts anhalten“, „links anhalten“ oder „schneller fahren“.

lrg_dsc06331

Nach dem Museumsbesuch ist aber immer noch vor Wien. Zum Glück waren es nur noch ca. 80 Kilometer. Und die gingen nach der Pause flott rum.

Ankunft Wien:

Als ich nach dem Hotel in Wien geschaut hatte, suchte ich extra eines in der Nähe des Zentrums. Vielleicht sollte ich nächstes Mal auf den Maßstab der Karte achten. Anfänglich fuhr ich zwar einmal durch die City, aber danach immer weiter in den Süden. Aber egal. Wichtig war mir  jetzt nur noch das Zimmer, ein trockenes Plätzchen für Zeus und Schlaf.

Planung nächster Tag:

Trotz Müdigkeit sinnierte ich noch über den nächsten Tag. Graz sollte die nächste Station sein, dort waren aber Unwetter angekündigt. Also runter zur Rezeption mit der Frage, ob ich mein Zimmer verlängern kann, ein Tag länger in Wien wäre auch nicht verkehrt. Die Aussage ausgebucht war nicht zufriedenstellend, aber die Aussicht, dass zum nächsten Morgen hin noch ein Zimmer frei wird, bestand. Also Entscheidung auf den nächsten Morgen vertagt.

Guts Nächtle.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s